Anlagebetrug: Wenn hohe Gewinnversprechen zur teuren Falle werden
Ob über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, E-Mails oder Telefonanrufe: Betrüger entwickeln ihre Methoden ständig weiter und nutzen gezielt die Hoffnung auf sichere und gewinnbringende Geldanlagen aus. Besonders perfide ist dabei der sogenannte Anlagebetrug, bei dem professionell gestaltete Internetseiten und vermeintliche Finanzexperten Seriosität vortäuschen.
Auch viele ältere Menschen werden gezielt angesprochen und unter Druck gesetzt, schnell Entscheidungen zu treffen. Die finanziellen Folgen können erheblich sein. Um unsere Mitglieder für diese Betrugsmasche zu sensibilisieren, haben wir mit Kerstin Sienkiewicz vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt gesprochen. Die folgenden Informationen basieren auf den Hinweisen der Präventionsexpertin sowie den fachlichen Einschätzungen des LKA-Experten Herrn Föhre. Sie erklären, wie Anlagebetrug funktioniert, woran unseriöse Angebote zu erkennen sind und was Betroffene im Ernstfall tun sollten.
- Was versteht man unter Anlagebetrug und mit welchen Maschen werden Betroffene derzeit besonders häufig angesprochen?
Beim Anlagebetrug, auch bekannt als Cybertrading-Betrug, locken die Täter potenzielle Anleger mit gefälschten Handelsplattformen für Aktien, Devisen oder Kryptowährungen und versprechen extrem hohe Gewinne bei geringem Risiko.
Der Kontakt erfolgt häufig unaufgefordert über Social-Media, Messenger-Dienste oder Telefon. Die Täter präsentieren sich als Experten und bieten angeblich unschlagbare Handelsstrategien oder Softwarelösungen an. Dahinter verbirgt sich ein professionell, entwickeltes und international agierendes Netzwerk von Kriminellen. Ihre Internetseiten sind professionell aufbereitet und erwecken einen äußerst seriösen Anschein.
Die Schäden, welche in Sachsen-Anhalt durch den Anlagenbetrug entstehen, belaufen sich pro Jahr auf mehrere Millionen Euro (2025 waren 6 Millionen Euro). Wobei hier eine steigende Tendenz zu verzeichnen ist.
- Woran können insbesondere ältere Menschen erkennen, dass ein vermeintlich attraktives Anlageangebot unseriös sein könnte und welche Rolle spielen Zeitdruck, hohe Renditeversprechen oder angeblich persönliche Beratung bei solchen Betrugsfällen?
Wann sollte man misstrauisch werden?
- Wenn Werbeanzeigen oder (überhöhte) Gewinnversprechen in den sozialen Medien zu schön klingen, um wahr zu sein.
- Ein Anlageberater oder Broker meldet sich telefonisch außergewöhnlich schnell persönlich bei Ihnen.
- Sie werden um Fernzugriff auf den eigenen Rechner gebeten.
- Sie werden mit einer Erstzahlung von 250 € gelockt.
- Die Zielkonten wohin das Geld gezahlt werden soll, sind oft von Privatpersonen oder im Ausland.
- Ihnen wird der Eindruck von Dringlichkeit und Zeitdruck vermittelt: limitierte Gelegenheit oder Letzte Chance.
- Um das Vertrauen in die Seriosität der Plattform zu erhöhen und weitere Einzahlungen von Ihnen zu erhalten, werden anfangs sogar Auszahlungen an Sie generiert.
- Eine abschließende Auszahlung des Gewinns wird an Nachzahlungen (z.B. Gebühren) gebunden.
- Über welche Wege nehmen Betrüger typischerweise Kontakt zu ihren Opfern auf, und welche Warnsignale sollten sofort misstrauisch machen?
Wie Opfer angeworben werden:
- meist über Social-Media-Anzeigen oder über Dating-Plattformen („Tinder-Scam“), oft mit gefälschter Promi-Werbung,
- dafür werden zielgerichtet Bilder von Promis ausgewählt, die zur Zielgruppe passen, wie z.B. Horst Lichter, Helene Fischer oder Dieter Hallervorden
- oder wenn gezielt nach Investitionsmöglichkeiten gesucht wird,
- aber auch über professionelle Callcenter.
Ziel ist es, die potenziellen Anleger davon zu überzeugen, ihr Geld in vermeintlich profitable Schemata zu investieren.
- Wie sollte man reagieren, wenn man zu einer Geldanlage gedrängt wird oder Zweifel an einem Angebot hat?
- Seien Sie misstrauisch bei hohen Gewinnversprechen mit geringem Risiko! Vorsicht bei reißerischen Angeboten oder angeblichen Geheimtipps.
- Prüfen Sie die Seriosität der angeblichen Trading Plattformen.
- Informieren Sie sich vor dem Investieren durch Recherche über die Plattform. àB. handelt es sich um die richtige Internetadresse? Denn wo auf der Seite z.B. „Tagesschau“ oder „Spiegel“ draufsteht, findet sich in der Internetadresse meist eine ganz andere Bezeichnung.
- Kontrollieren Sie das Impressum, die Ansprechpartner und die Adresse (z.B. in einer Karten-App, denn oft gibt es die Adresse gar nicht).
- Seriöse Informationen erhalten Sie bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Verbraucherzentrale, auf Warnlisten oder bei Ihrer Bank.
- Geben Sie keine sensiblen, persönlichen Daten an ungeprüfte Seiten weitergeben.
- Schützen Sie Ihre Zugangsdaten, Ausweisdokumente und Zahlungsinformationen. Die gehören nicht in fremde Hände und schon gar nicht ins Netz.
- Lassen Sie keinen Fernzugriff zu, auch wenn es als ein vermeintlich nettes Unterstützungsangebot getarnt ist.
- Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Sprechen Sie mit Familienangehörigen oder anderen Vertrauenspersonen darüber.
- Nehmen Sie keine Überweisung auf unbekannte Konten vor.
Lassen Sie sich von Ihrer Bank beraten.
- Was sollten Betroffene tun, wenn sie bereits Geld überwiesen haben?
Zahlungen stoppen: Überweisen Sie kein weiteres Geld, auch nicht für angebliche Gebühren, Steuern oder Provisionen, um Gewinne ausgezahlt zu bekommen.
Kontakt abbrechen: Beenden Sie jegliche Kommunikation mit den angeblichen Brokern.
Bank informieren: Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank oder den Zahlungsdienstleister, um Überweisungen zurückzurufen oder Konten zu sperren.
Beweise sichern: Erstellen Sie Screenshots von der Handelsplattform, speichern Sie E-Mails, Chatverläufe (z. B. WhatsApp) und halten Sie Bankbelege/Transaktionsnummern bereit.
Anzeige erstatten: Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei. Dies kann bei jeder Polizeidienststelle oder über die Online-Wache Ihres Bundeslandes erfolgen.
Achtung vor „Recovery Scam“: Betrüger melden sich oft nach einiger Zeit erneut und geben sich als Ermittler oder Anwälte aus, die versprechen, Ihr verlorenes Geld gegen eine Gebühr zurückzuholen. Das ist ein weiterer Betrugsversuch.
- Was sollten Betroffene tun, wenn sie bereits Geld überwiesen oder persönliche beziehungsweise Bankdaten weitergegeben haben?
Hier befinden wir uns schon im nächsten Betrugsbereich, der Missbrauch von Daten.
Allein mit der IBAN oder Kontonummer können Betrüger nicht direkt auf Ihr Konto zugreifen oder Geld abbuchen.
Wichtig ist hier, seine Kontobewegungen zu beobachten und ggf. unberechtigte Lastschriften rückgängig zu machen.
Sollten aber auch PIN und Tan weitergegeben worden sein, muss das Konto sofort gesperrt werden, entweder über die 116 116 oder die Hotline Ihrer Bank.
Beim Versenden von Ausweiskopien, besteht zusätzlich die Gefahr des Identitätsmissbrauchs. Hier sollte man grundsätzlich wachsam sein und bei Verdacht sofort Anzeige erstatten und Gegenmaßnahmen ergreifen.
- Wie können Angehörige, Freunde und Nachbarn ältere Menschen unterstützen, ohne ihnen dabei das Gefühl zu geben, bevormundet zu werden?
Wichtig ist es, rechtzeitig und regelmäßig mit vertrauten Familienangehörigen offen über die Finanzen zu sprechen. Über Geld spricht man sehr wohl! Lassen Sie sich unterstützen und beraten, damit Ihr Geld auch Ihr Geld bleibt.
Manchmal hilft es den Angehörigen auch über eigene Finanzprojekte zu erzählen, um die allgemeinen Hemmschwellen abzubauen.
- Welche drei einfachen Grundregeln würden Sie unseren Mitgliedern mitgeben, um sich im Alltag besser vor Anlagebetrug zu schützen?
Bleiben Sie misstrauisch!
Sprechen Sie mit Ihrer Bank über geplante Investitionen. Dort kann Ihnen Auskunft über Seriosität von Angeboten gegeben werden.
Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Investitionen müssen wohl überlegt sein.
Vorsicht ist der beste Schutz
Anlagebetrug lebt von Vertrauen, Zeitdruck und der Hoffnung auf schnelle Gewinne. Umso wichtiger ist es, bei vermeintlich lukrativen Angeboten kritisch zu bleiben, sich ausreichend Bedenkzeit zu nehmen und vor einer Investition unabhängigen Rat einzuholen.
Wenn Ihnen ein Angebot ungewöhnlich attraktiv erscheint, sprechen Sie mit Ihrer Bank, Familienangehörigen oder anderen Vertrauenspersonen darüber. Kein seriöses Investment erfordert überstürzte Entscheidungen.
Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass man auf eine professionell gemachte Betrugsmasche hereinfällt. Wichtig ist dann, schnell zu handeln. Wer bereits Geld überwiesen oder persönliche Daten weitergegeben hat, sollte umgehend seine Bank informieren, den Kontakt zu den Betrügern abbrechen und Beweise wie E-Mails, Chatverläufe oder Überweisungsbelege sichern. Anschließend sollte Strafanzeige bei der Polizei erstattet werden.
Wurden zusätzlich sensible Bankdaten, PINs oder TANs weitergegeben, empfiehlt das Landeskriminalamt, das betroffene Konto sofort über die eigene Bank oder den Sperr-Notruf 116 116 sperren zu lassen.
Wir danken Kerstin Sienkiewicz und Herrn Föhre vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt für die fachliche Unterstützung und die wertvollen Hinweise. Die Prävention von Straftaten zum Nachteil älterer Menschen ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Gerade als Wohnungsgenossenschaft mit vielen älteren Mitgliedern möchten wir dazu beitragen, über aktuelle Betrugsmaschen aufzuklären und das Bewusstsein für mögliche Gefahren zu schärfen.
Wer sich weiter informieren möchte, findet hilfreiche Informationen unter:
- https://www.polizei-beratung.de/
- https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/gefahren-im-internet/cybertrading-betrug/
- https://polizei.sachsen-anhalt.de/kriminalitaet-und-praevention/kriminalpraeventionsthemen/cybercrime-neue-medien
